Corona-Krise: Zehn kritische Fragen und eine solidarische Antwort!


1. Kann es sein, dass die Globalisierung gar nicht so segensreich für das einfache Volk war und ist, wie uns immer eingeredet wurde?

2. Kann es sein, dass von Produktionsverlagerungen nach Fernost ausschließlich die Kapitaleigner und Aktionäre profitierten und jene, die diesen Wohlstand erarbeiteten jetzt wegen mangelnder Schutzausrüstung und Medikamente die Auswirkungen negativ bis tödlich am eigenen Leibe zu spüren bekommen?

3. Täuscht es oder sind es jene Eliten, die bislang Globalisierung und internationale Lieferketten als das Nonplusultra und alternativlos predigten, die jetzt die „nationale Karte spielen“? (im Hinblick auf geschlossene Grenzen, Apelle an die Solidarität im Volk, hektische Re-Nationalisierungsversuche beispielsweise bei der Pharmaproduktion, Zurückstellung der Immigrationsfrage)

4. Wollen sich vielleicht gerade jene als Krisenmanager profilieren, denen in normalen Zeiten politisch die Fälle davon geschwommen wären?

5. Ist es abwegig zu glauben, dass die jetzigen Machthaber und ihre Strukturen, die getroffenen Maßnahmen für die zukünftige Konditionierung des Volkes (Einschränkung der Bewegungsfreiheit, radikale Eingriffe ins Gesundheits- und Bildungssystem, permanente Überwachung und Datenausspähung) nutzen werden?

6. Ist die relativ geringe Anzahl von Corona-Toten in Deutschland vielleicht weniger das Werk der „Krisenmanager“ (von Merkel über Söder bis zum Robert-Koch-Institut), als vielmehr einem Gesundheitssystem in Deutschland zu verdanken, dass noch nicht gänzlich privatisiert wurde und sich noch einige Reste des früheren Sozialstaates darin erhalten haben?


Erläuterung: Während es in Deutschland pro 100.000 Einwohner (noch) 34 Intensivbetten gibt, die in einer Notlage wie dieser zur Verfügung stehen, sind es in den kaputtgesparten Staaten Italien (12,5), Spanien (9,7) und Großbritannien (6,6) erschreckend wenige. Ein ähnliches Verhältnis zeigt sich im Hinblick auf die katastrophale Unterbesetzung bei Krankenschwester- und Pflegekräftestellen. Reiche Staaten absorbierten die ausgebildeten Kräfte dank ihrer höheren finanziellen Potenz und der damit höheren Löhne. Die südeuropäischen Länder, vielmehr die dortigen Menschen, zahlen diese Politik jetzt zu tausenden mit ihrem Leben.

7. Wenn der Satz „Kapitalismus tötet“ irgendwo seine wahre Bedeutung zeigt, dann geradezu erschreckend bedrohlich und an diesem Beispiel.
Jedoch ist auch hierzulande, wie in der ganzen EU, die Anzahl auch von normalen Krankenhausbetten (die in normalen Zeiten nicht benötigt werden und deren Instandhaltung und Raumnutzung finanziell die Bilanzen belasten) massiv heruntergefahren worden. Warum hört man eigentlich derzeit nichts von der Bertelsmann-Stiftung, die hinter vorgehaltener Hand als „die heimliche Regierung der BRD“ (TAZ) genannt wird, und ihrer erst kürzlich vorgebrachten Forderung die Anzahl der Kliniken nochmals um die Hälfte zu reduzieren?
„Gütersloh – Mehr als jedes zweite Krankenhaus in Deutschland sollte nach Ansicht der Bertelsmann-Stiftung geschlossen werden, damit die Versorgung der Patienten verbessert werden kann. Von den derzeit knapp 1.400 Krankenhäusern sollten nur deutlich weniger als 600 größere und bessere Kliniken erhalten bleiben, heißt es in einer heute veröffentlichten Untersuchung.“ (15.7.2019)

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/104629/Bertelsmann-Stiftung-sieht-600-Krankenhaeuser-als-ausreichend-fuer-die-Versorgung-an

8. Wo bleibt eigentlich die Solidarität der 140 Milliardäre und der hunderttausenden Millionäre in Deutschland?
Während Milliardenkonzerne und ihre Eigner sofort ankündigten, keine Miete mehr für ihre Filialen zu zahlen (neben H&M, Puma und anderen Multis etwa auch das „honorige“ deutsche Familienunternehmen Deichmann mit seinen Schuhen aus Fernost…um mal einen der Gewinner der Globalisierung zu nennen), steht auf der Spendenbereitschaftsseite der Geldleute eine große NULL! Ein paar Fußball-Profis verzichten medienwirksam auf Gehalt, aber vielleicht auch nur, um Ihren Verein (also ihren Arbeit- und Brötchengeber) zu retten.

Bitterer Hohn aber ist es, wenn uns von den Regime-Medien mitgeteilt wird, wenn Investmentgesellschaften wie Bridgewater „großzügig“ was geben:
„Wie Bloomberg berichtet, spendet Multimilliardär und Bridgewater-Gründer Ray Dalio über eine Wohltätigkeitseinrichtung seiner Familie sowie die Hedgefonds-Gesellschaft zehn Millionen Dollar (etwa 9,2 Millionen Euro) für die Suche nach einem Mittel gegen die Krankheit…“

https://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/bridgewater-citadel-und-co-was-finanzfirmen-gegen-coronavirus-spenden-a-1304804.html

Dabei wird freilich verschwiegen, dass Bridgewater mit 14.000 Millionen Dollar an der Börse „short“ gegangen ist, also auf fallende Kurse und Konkurse in Europa setzt und so die europäische Wirtschaft (samt Arbeitsplätzen und daran hängender Lebensentwürfe der Beschäftigten) massiv unter Druck setzt.

https://www.institutional-money.com/news/maerkte/headline/bridgewater-geht-14-milliarden-leerverkaufposition-in-europaaktien-ein-196116/

9. Wie steht´s in diesem Zusammenhang eigentlich um das Vermögen des kleinen Anlegers, der massiv von Bank-und Versicherungsberatern in Aktien und Fonds gedrängt wurde, um seine Altersvorsorge ordentlich zu „managen“? Wie um die Pensionsfonds heimischer Unternehmen, die mit Hilfe und Zuschüssen des Staates (also unseren Steuern) ihre Gelder auf dem internationalen Kapitalmarkt investierten?

Es dürfte analog der Wirtschaftskrise 2008/09 laufen: nämlich, dass die kleinen Leute diese Misere zu blechen haben. Entweder mit höheren Steuern und Abgaben, mit der weiteren Privatisierung von Gemeingütern (Infrastruktur usw.), mit dem weiteren Ausdünnen von Sozialleistungen und kulturellen (nicht finanziell verwertbaren) Angeboten. Keiner kann bislang genau sagen, wie die Kosten zu tragen sein werden, aber alle wissen schon jetzt: „unten“ wird zahlen, „oben“ wird profitieren…wie immer.

10. Ist es in Anbetracht der ehrlichen Beantwortung der vorangegangenen Fragen nicht von Nöten über eine Alternative zum zugrundeliegenden Wirtschaftssystem laut nachzudenken und die Forderung nach einer Entmachtung seiner Profiteure und ihrer Strukturen auf die Straße zu bringen? Können wir im Wissen darum, dass sich diese Krisen des Kapitalismus samt seiner sozialen Folgen permanent wiederholen, ja vielmehr zum Wesen desselbigen gehören, mit gutem Gewissen nach der „Corona-Krise“ einfach zu Tagesordnung zurückkehren und weiter mitmachen?

Die Antwort lautet: Nein, es muss massiver Widerstand geleistet werden!

Aus den jetzt entstehenden, spontanen Hilfsnetzwerken der Menschen untereinander müssen dauerhafte solidarische Strukturen entstehen, aus denen der kapitalistische Staat samt seinem Markt vertrieben wird. Diese Refugien könnten, bei einer entsprechenden Bewusstwerdung der Akteure für die hinter der aktuellen Krise ablaufende Systematik, Keimzellen einer neuen Gesellschaftsordnung sein. Deshalb gilt es in diesen Zeiten nicht nur solidarisch im Sinne eines „wir schaffen das und dann geht´s normal weiter“ zu sein, sondern jederzeit aufklärend über die Zusammenhänge zu agieren. Der vorangegangene Text soll dazu beitragen.

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