Vor 30 Jahren: Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion

Während alle Welt glaubt, dass die deutsche Wiedervereinigung vor 30 Jahren am 3.Oktober vollzogen wurde, weil dies der offizielle Feiertag der Berliner Republik ist, war es doch vielmehr der 1. Juli 1990, der für den Beitritt der DDR zum Staatsgebiet der BRD von Bedeutung war.

An diesem Tag trat die sog. Wirtschafts-, Währungs-, und Sozialunion in Kraft. Sie hatte zur Folge, dass das inkompatible System des Sozialismus in den dann „neuen“ fünf Bundesländern und Ostberlin beseitigt und die vorhandenen Strukturen in das kapitalistische System westdeutscher Prägung eingegliedert wurden. 

Wer diese Zeit damals miterlebt hat, dürfte noch heute von dem atemberaubendem Tempo der politischen Vorgänge verblüfft sein, mit dem ein ganzer Staat politisch abgewickelt wurde und dessen Bürger sich anschließend in einem ihnen fremden System zurechtfinden mussten.

Heute ist nicht der Tag, um diese Vorgänge analytisch zu bewerten oder um die Vergangenheit auch nur ansatzsweise kritisch und vorurteilsfrei aufzuarbeiten. Das heben wir uns für eine Arbeitstagung im Herbst auf. Wir möchten an dieser Stelle aber darauf hinweisen, dass jegliches alternative Gesellschaftsmodell heutzutage rein negativ interpretiert wird, ja interpretiert werden muss. Und so werden wir im Herbst nicht nur hirnlosen Verfassungspatriotismus-Orgien ausgesetzt sein, sondern auch einer medialen Mißachtung der Lebensleistung von Millionen Männern und Frauen, die auf dem Gebiet zwischen Oder und Elbe eine Alternative zum kapitalistischen System etablierten und mit Leben zu füllen versuchten.

Je mehr Zeitzeugen wegsterben, umso einfacher haben es leider die Schreihälse des jetzigen Systems ihre Propaganda ungehindert unters Volk zu bringen. Wer Kinder an bundesdeutschen Schulen hat, weiß zum Beispiel, dass die Zeit 1949-1990 nur noch als die eines Unrechtsregimes samt eingeschränkter Reisefreiheit und Massenbespitzelung im Geschichtsunterricht gelehrt wird. Die Kinder hören freilich nichts davon, dass die Teilung Deutschlands eindeutig von den Westalliierten ausging, die zuerst für die britische, amerikanische und französische Besatzungszonen eine eigene Währung einführten und der „Osten“ erst später diesen Schritt (und dazu völlig unvorbereitet) vollzog. Es wird ihnen nicht mitgeteilt, dass es auch im „Westen“ massive Überwachungen gab und gibt, welche in unserer digitalen Zeit immer weiter perfektioniert wird. Ebensowenig von Berufs- und Parteiverboten für politich mißliebige Menschen und Positionen.

Ihnen wird nicht vermittelt, dass zuerst die BRD gegründet wurde und  ebensowenig werden sie von den Vorschlägen Stalins hören (1952), Deutschland wieder zu vereinigen und alle fremden Truppen abzuziehen, damit das neue friedliche Deutschland blockneutral aufblühen könne.

Genausowenig wird ihnen von den positiven Aspekten in puncto soziale Sicherheit, gerechte und fördernde Familien- und Gesundheitspolitik jenseits von reinem Profitstreben berichtet. Oder von dem reichen Kultur- und Freizeitangebot in wirklich jedem Winkel der damaligen Republik, welches heute erfolglos seinesgleichen sucht.  Wer sich damit befassen möchte, dem sei ein Einstieg über das Buch „Die DDR war anders – eine kritische Würdigung ihrer sozial-kulturellen Einrichtungen „, welches 2002 erschien, empfohlen.

Leseproben und die ISBN, um dieses Buch preiswert in den einschlägigen Portalen „aufzustöbern“ gibts hier:        http://www.die-ddr-war-anders.de/index.html

Und weil heute der 22. Todestag des Lausitzer Liedermachers Gerhard Gundermann ist, möchten wir die Gedankengänge mit einem Lied desselbigen beenden, welches die würdelose Selbstaufgabe 1989//90 und die zu späte Bewußtwerdung über diese Situation ganz gut „einfängt“ 

Krieg

Wir lagen uns gegenüber, die Front war das Meer
Ich schickte dir Bomben hinüber und du welche her
Von deinem Schiff hast du mir nachts nackte Weiber gezeigt
Da habe ich Volkslieder dagegen gegeigt

Ja so, Bruder, so war der Krieg
Wer hat uns den in die Wiege gelegt?
Ja, wir machten und brachten uns um
Ich war voller Hass und wusste doch nichtmal, warum

Dann hatt ich es satt, ewig mageren salzigen Fisch
Sah durch mein Glas die Tomaten da auf deinem Tisch
Die schmecken nach Pappe und deine Weiber, die waren frigid
Und dafür hab ich mein Feuer am Strand gelöscht und mein Lied

Aber aus, Bruder, aus ist der Krieg
Wer hat uns den in die Wiege gelegt?
Und offen und frei liegt das Meer
Du gabst mir die Hand und ich gab dir mein Gewehr

Und offen und frei liegt das Meer
Du gabst mir die Hand und ich gab dir mein Gewehr

Nun ist es soweit, wir haben zu zweit
Wieder klar Schiff gemacht
Ich hab jetzt endlich `ne richtige Arbeit
Und du jemand, der sie dir macht
Wenn das Schiff schlingert, machst du den Finger
Und ich mach den Rücken krumm
Du musst an die Kegel, ich muss an die Segel
Und da weiß ich wieder, warum

Darum, Bruder, darum wird Krieg
Den haben wir uns jetzt vor die Füße gelegt
Doch ich singe und bringe nicht um
Obwohl ich nun wüsste, warum

Doch ich singe und bringe nicht um
Obwohl ich nun wüsste, warum

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