Buchvorstellung: Solidarischer Patriotismus und die soziale Frage

Wer sich noch vor wenigen Monaten an der „sozialen Frage von rechts“ abarbeiten wollte, musste Buchdeckel entstauben, selektiv auf Artikel und schwer auffindbare Zeitschriften der Vergangenheit zurückgreifen. Instinktiv erwartet und erhofft, war es dann an sich keine große Überraschung, aber für den Autor dieser Zeilen eine Freude, als Benedikt Kaisers neues Buch über eben diese Thematik angekündigt wurde.

Wer seinen publizistischen Spuren schon länger nachgeht, dem wird nicht entgangen sein, wie dringlich und konsequent Kaiser die soziale Frage immer wieder in den Fokus rückt. So musste es doch zwangsläufig so kommen, dem Thema endlich mehr Raum zu geben. Und das nicht aus einem Selbstzweck heraus, weil ihm etwa diese Thematik „liegt“, sondern der Notwendigkeit geschuldet, hiermit den größten und gefährlichsten Schwachpunkt der bundesdeutschen Rechten aufzuzeigen.

Zuallererst sticht das vielleicht anfangs gewöhnungsbedürftige Begriffspaar „Solidarischer Patriotismus“ hervor. Für viele eine neue Wortkombination und für einige aufmerksame Zeitgenossen ein schon von Björn Höcke und anderen AFD Politikern getätigte Phrase.

Der Begriff selbst aber stammt von Volker Kronenberg, einem deutschen Politologen, der diesen mit sicherlich anderen Absichten ins Spiel brachte. Diesbezüglich gab es auch einige kritisch-hinterfragende Stimmen mit möglichen Alternativvorschlägen, wie „Soziale Rechte“ oder „Solidarische Rechte“. Wie dem auch sei, Kaiser entschied sich für den „Solidarischen Patriotismus“. Weshalb, das erklärt der Autor des Buches selbst:

„Solidarischer Patriotismus enthält als Begriffspaar die wichtigsten Pole. Er ist ein Angebot an alle gemeinwohlorientierten Kräfte aller Seiten, denn er hebt Widersprüche auf und lässt sich nicht auf die Schlachten von gestern ein. Solidarischer Patriotismus kann als >rechter< Ansatz >linke< Elemente integrieren, wo es zielführend erscheint. Sein Ziel ist klar: Solidarischer Patriotismus strebt nach einem konstruktiven, zukunftsfähigen Verständnis einer gehegten sozialen Marktwirtschaft im Zeichen einer solidarischen und patriotisch rückgebundenen Leistungsgemeinschaft. Solidarischer Patriotismus ist eine Antwort auf die soziale Frage von rechts.“

Den Auftakt des Buches machen 10 Fragen und Antworten. Erst muss notwendigerweise Klarheit und Ordnung über die Begriffe gebracht werden. Kaiser räumt mit vielen Vorurteilen auf, bemüht sich um Begriffsbestimmungen, gibt einen historischen Überblick und versucht auf soziale Fragen der Gegenwart mögliche realpolitische Antworten zu geben.

Explizit hervorheben möchten wir hier eine Frage, die schon in den politisch-medialen Diskurs eingepflegt wurde: Ist das bedingungslose Grundeinkommen eine zeitgemäße Antwort auf die soziale Frage? Endlich gibt es hier eine fundierte und überzeugende Antwort von rechts, die sich auf der Höhe der Zeit bewegt und für die realpolitische Auseinandersetzung von großem Nutzen ist.

Innerhalb dieser Fragen wird der weltanschauliche Rahmen aufgespannt und gibt die Richtung vor, die sich durch das gesamte Buch ziehen wird. Einmal mehr wird klar, dass die soziale Frage ein breites Feld beackert und mit allen Lebensbereichen verknüpft ist. Kaiser hat hier ein nützliches Grundlagenwerk erste Güte vorgelegt. Geschrieben ist es nicht allein für die intellektuelle Zunft, sondern mit Bravour wurde hier ein Weg zwischen akademischer Forschung, politischem Manifest und populärwissenschaftlicher Unterrichtung gefunden, wie es auch schon in anderen Rezensionen hervorgehoben wurde. Ein hervorragender und ausführlicher Anmerkungsapparat rundet das Ganze ab. Das Buch ist somit Grundlagen- und Nachschlagewerk und Fundgrube in einem.

Die wirtschaftspolitisch meist liberal ausgerichtete Rechte der BRD täte gut daran, sich mit diesem Buch intensiv zu beschäftigen. Wege und Ziele die sich außerhalb des Marktradikalismus (totale Marktentfesselung) und der Planwirtschaft (Zwangskollektivierung) bewegen, werden hier konkret aufgezeigt.

Weitere Hinweise, Rezensionen und Buchbesprechungen:

Buch ist hier erhältlich: https://antaios.de/buecher-anderer-verlage/aus-dem-aktuellen-prospekt/101634/solidarischer-patriotismus.-die-soziale-frage-von-rechts

Podcast mit Benedikt Kaiser: https://konfliktmag.com/konflikt-podcast-1-solidarischer-patriotismus-und-benedikt-kaiser-im-gespraech-2/

Buchvorstellung Björn Höcke: https://www.facebook.com/watch/?v=1234228340295774

Weitere Rezension: https://seidwalkwordpresscom.wordpress.com/2020/08/31/solidarischer-patriotismus-erste-annaeherung/

Ein Kommentar zu „Buchvorstellung: Solidarischer Patriotismus und die soziale Frage

  1. „Wer sich noch vor wenigen Monaten an der „sozialen Frage von rechts“ abarbeiten wollte, musste Buchdeckel entstauben …]“

    Zeitgenössische Literatur über die soziale Frage von „rechts“ gibt es. Diese wird, wegen der Befolgung der „Kontaktschuld“, zwar privat zur Kenntnis genommen, aber in „neurechten“ Organen nicht besprochen.

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