Impfgegner und Ernst Jünger

Ein Beitrag von Jürgen Schwab

Nein, ich bin kein grundsätzlicher Gegner einer staatlichen Impfpflicht. – Allerdings lehne ich eine staatliche Impfpflicht im Rahmen des BRD-Systems ab.

Eine staatliche Impfpflicht ist kein Tabu. Nicht nur bei den Masern für Kinder, auch die Impfungen gegen Pocken und die gegen Kinderlähmung – hier war die DDR wegen des russischen Impfstoffs erfolgreicher als die BRD – wurden staatlich durchgesetzt.

Eine staatliche Impfpflicht wirft die Frage nach dem „Staat“ auf, dessen Vertreter diese einzuführen gedenken. – Haben wir in der BRD einen wirklich dem Gemeinwohl verpflichteten Staat? Oder vielmehr ein System, in dem sich die starken wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ellenbogen bzw. die entsprechende Lobbyarbeit durchsetzt?

Warum fordern die Impfgegner bzw. Skeptiker der AfD nicht eine öffentlich zugängliche Liste, auf der diejenigen Regierungsmitglieder und Abgeordneten stehen, die mit der Pharma-Lobby verbunden sind? Die als Personen oder Parteifunktionäre von dieser Geld erhalten, dort gut dotierte Vorträge halten, usw.? Weil Alice Weidel auch auf einer solchen Lobby-Liste stehen würde?

Warum fordert die AfD nicht, den Abbau und die Privatisierung des Gesundheitsbereichs wieder zurückzunehmen? Weil sie in Teilen eine wirtschaftsliberale Partei ist?

Wie dies hier kritisiert wird:

Was würden wir selbst tun, wenn wir morgen Ministerpräsident von Thüringen, von Bayern, Bundeskanzler oder Gesundheitsminister wären? – Ja, man muß natürlich die neoliberale Politik, die die Systemparteien die letzten Jahre zu verantworten haben, hart kritisieren. – Aber die Pandemie hier und jetzt einfach „durchlaufen“ lassen?

Ehrlich war diesbezüglich Boris Palmer, der vor einiger Zeit meinte, man dürfe durch zu harte Corona-Maßnahmen nicht das Leben der jungen Menschen, die in Schule, Ausbildung, Studium und Beruf stehen, strangulieren, um somit das Leben der zumeist älteren Corona-Patienten um wenige Jahre zu verlängern. – Der Grünen-Politiker erhielt einen Shitstorm.

https://www.tagesspiegel.de/politik/boris-palmer-provoziert-in-coronavirus-krise-wir-retten-moeglicherweise-menschen-die-in-einem-halben-jahr-sowieso-tot-waeren/25782926.html

Diesen Shitstorm vermeiden die meisten rechten Impfgegner, indem sie die Corona-Pandemie auf vielfältigste Weise verharmlosen. Schließlich ist man ja auch nicht in der Regierung, man trägt keine Verantwortung für Kranke und Tote.

Als politischer Theoretiker tue ich mir diesbezüglich nicht so leicht wie diejenigen von der Abteilung Agitation und Propaganda. – Schließlich kann ich jetzt nicht als Libertärer auftreten, während ich die letzten 20 Jahre als Nationalist, also als Nationalstaatsbefürworter, als Sozialist und Gemeinwohlprediger gegolten habe.

Aber es gibt bzw. es gab auch mal ehrliche Impfgegner. – Ernst Jünger zum Beispiel. Der war nicht nur politischer und schöngeistiger Schriftsteller, sondern auch (abgebrochener) Zoologe, Käfersammler, Natur- und Menschenbeobachter.

Jünger schrieb in seinem Waldgang: „Liegt in der Welt der Versicherungen, der Impfungen, der peinlichen Hygiene, des hohen Durchschnittsalters ein wirklicher Gewinn? Es lohnt sich nicht darüber zu streiten, weil sie sich weiter ausbilden wird, und weil sich die Ideen, auf denen sie beruht, noch nicht erschöpft haben. Das Schiff wird seine Fahrt fortsetzen, auch über die Katastrophen hinweg.“ (Ernst Jünger: Der Waldgang. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1951, S. 104.)

Ja, Käfer müssen irgendwann mal sterben, Tiere müssen sterben, wir Menschen müssen sterben. – Die „Ideen“ von 1789, die Jünger hier anspricht, versprechen jedem Menschen ein Recht auf möglichst langes Glück. – Wirft die lange Lebenszeit vieler Menschen nicht auch weltweit Probleme auf? – Jünger konnte leicht daherreden. Er wurde 102 Jahre alt. Brauchte er keine Ärzte – wenigstens im Lazarett -, keine Medikamente?

Weiter schrieb er: „Die Ärzte zu meiden, sich auf die Weisheit des Körpers zu verlassen, doch freilich ihrer Stimme auch zu lauschen, das ist für den Gesunden das beste Rezept. Das gilt auch für den Waldgänger, der sich auf Lagen zu rüsten hat, in denen alle Krankheiten zum Luxus gerechnet werden, außer den tödlichen. Welche Meinung man immer von dieser Welt der Krankenkassen, Versicherungen, pharmazeutischen Fabriken und Spezialisten hegen möge; stärker ist jener, der auf alles verzichten kann. Verdächtig und im höchsten Maße zur Vorsicht mahnend ist der immer größere Einfluß, den der Staat auf den Gesundheitsbetrieb zu nehmen beginnt, meist unter sozialen Vorwänden. Dazu kommt, daß infolge weitgehender Entbindung des Arztes von der Schweigepflicht bei allen Konsultationen Mißtrauen zu empfehlen ist. Man weiß doch nie, in welche Statistik man eingetragen wird, und zwar nicht nur bei den Medizinalstellen.“ (ebd., S. 102-103.)

Jünger war also auch ein kritischer Beobachter des Überwachungsstaates. Man kann seine Zeilen aber auch als Plädoyer für einen neoliberalen Abbau des Gesundheitsbereichs lesen.

Ich appelliere an alle Impfgegner, sich an der Ehrlichkeit des Impfgegners Ernst Jüngers zu orientieren. – Also mehr Corona-Opfer in kauf nehmen, dafür aber das Leben der Jungen, Gesunden und Leistfungsfähigen möglichst wenig zu beeinträchtigen, die ja auch mit ihren Beiträgen die Krankenkassen tragen.

Jürgen Schwab

Bild: Facebookseite Klett-Cotta Verlag

Ein Kommentar zu „Impfgegner und Ernst Jünger

  1. Es gibt die tollsten Theorien.
    Markus Lanz (ZDF) meint, daß sich die Mitteldeutschen lieber russisch impfen lassen wollten (Sputnik V) als westdeutsch-türkisch (Biontech).

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