Die Pandemie als Notfallreparatur des kapitalistischen Weltsystems

In einem langen, aber wirklich lesenswerten Artikel fasst der österreichische Journalist Peter F. Mayer die Analysen des italienischen Professors für Kritische Theorie, Fabio Vighi, derzeit an der Universität Cardiff (Wales) lehrend, dahingehend zusammen, dass wir mit der seit 2 Jahren andauernden Panikmache gezielt von den wirklichen Problemen und Herausforderungen der aktuellen Zeit abgelenkt werden sollen und die es den Herrschenden erlaubt, ihr System unter der Anwendung von Notfallmaßnahmen weiter am Leben zu halten.

Auch wir wiesen auf unserer Netzseite in vielen Beiträgen auf diese zugrundeliegende Agenda seit Beginn der Corona-Pandemie hin. Stellvertretend sei hier an den ersten Beitrag erinnert:

In Zeiten hitziger und manchmal auch nicht immer zielführender Debatten, die leider allzu oft zu verkürzten Schlussfolgerungen führen, dadurch die Gesamtproblematik außer Acht lassen, und die es selbstredend auch in unserem politischen und persönlichen Umfeld gibt, ist es daher immer wieder von Nöten, an die systemische Ursache der aktuellen Umstände zu erinnern.  Der Text von Mayer vom Blog tkp.at, der auch in medizinisch-wissenschaftlicher Hinsicht lesenswert ist, bietet wieder einmal eine gute Möglichkeit dafür.

Vorab jedoch möchten wir seine Schlussfolgerungen zitieren, die wir in Gänze unterschreiben können, zu der wir in den vergangenen zwei Jahren immer wieder aufriefen und die wir weiter in unserer Region in die Tat umzusetzen versuchen:

Wir sollten uns daher vorbereiten. Zum Beispiel, indem wir autonome Netzwerke und Gemeinschaften aufbauen, die nicht von einem zerfallenden – und aus diesem Grund zunehmend gewalttätigen – Modell der sozialen Reproduktion abhängig sind. Die Politik, wie wir sie tagtäglich erleben, ist heute vollständig dem ökonomischen Dogma unterworfen und damit jeder emanzipatorischen Kraft beraubt.

Die politische Linke hat sich für die blaue Pille entschieden und kann, wie Franco Berardi (Bifo) zusammenfasst, nur falsche Perspektiven bieten: Es gibt keinen politischen Ausweg aus der Apokalypse. Seit dreißig Jahren ist die Linke das wichtigste politische Instrument der ultrakapitalistischen Offensive, und wer seine Hoffnungen in die Linke investiert, ist ein Schwachkopf, der es verdient, verraten zu werden, denn Verrat ist die einzige Tätigkeit, die die Linke kompetent ausüben kann.

Wenn wir das, was von unserer kritischen Unabhängigkeit und unserer Menschenwürde übrig geblieben ist, und vor allem die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für unsere Kinder schützen wollen, müssen wir uns zumindest geistig von dieser fesselnden Unterwerfung unter eine Pseudopandemie befreien, die von einer konzerngesteuerten Art von Szientismus unterstützt wird, der inzwischen zur Weltreligion aufgestiegen ist. Dies ist der erste und grundlegende Schritt zur Emanzipation aus der derzeitigen Sackgasse.

Gleichzeitig müssen wir eine politische Kapitalismuskritik rehabilitieren, die als Weltanschauung gedacht ist, d.h. als eine Weltanschauung, die in der dialektischen Beziehung zwischen Geld und Arbeit verkörpert ist und auf die Schaffung von Mehrwert, Waren und Profit abzielt. Ob es uns gefällt oder nicht, im Zeitalter der beschleunigten technologischen Automatisierung ist diese Welt ein lebender Toter, der sich nur durch eine totalitäre Wende am Leben erhalten kann. Wenn wir den kommenden Tsunami der sozialen Barbarei vermeiden wollen, müssen wir irgendwann in naher Zukunft die Beziehung zwischen Arbeit, Gemeinschaft und gesellschaftlichem Reichtum über ihre kapitalistische Bedeutung hinaus neu definieren. Dazu müssen wir eine dritte Pille schlucken, die jedoch erst verfügbar sein wird, wenn wir einen sinnvollen Volkswiderstand gegen die sozioökonomische Tyrannei organisieren, die durch den „Notfallkapitalismus“ legitimiert ist.

Den kompletten Text gibt es hier:

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