Für die Entschärfung des Konfliktes: Neutralität!

Bei sehr vielen Dingen scheint es für einige Menschen nur zwei Seiten zu geben. Eine gute und eine schlechte. Vorzugsweise ist die eigene Seite die richtige, die gegenüberliegende die falsche. Häufig werden auch neutrale Äußerungen der vermeintlichen Gegenseite zugeordnet. Leider führt eine derartige Diskursordnung selten zu lösungsorientierten Schlüssen, sondern viel eher zur Spaltung entlang der Diskursbruchlinie. Dabei entstehen dann zwei mehr oder minder unversöhnliche Lager, bei denen es mehr um das dabei sein als um das Verstehen, mehr um die Meinung als um die Ahnung geht. Wie viele Menschen, die öffentlichkeitswirksam Auftreten, wissen genau was der Klimawandel ist, welche Abläufe es gibt, welche Zahlen eine Rolle spielen? Unglücklicherweise ist dies eine Entwicklung, die derzeit bei einer Vielzahl von Themen zuzunehmen scheint. Nun leben wir in Thüringen, damit in Deutschland, der EU und der sogenannten Westlichen Welt.

Es ist daher wenig verwunderlich, dass wir in den Medien und dem öffentlichen Diskurs die Erzählungen Deutschlands, der EU, usw. präsentiert bekommen und nicht die Erzählungen Russlands, der Anden, Zentralafrikas oder anderer Teile dieser Erde. Wenn es nun zu einer Auseinandersetzung zwischen den Teilen, denen wir zugehörig sind und anderen Teilen kommt, dann sehen wir größtenteils nur das, was in unseren Teilen erzählt wird. Ein solcher Fall ist mit dem Krieg in der Ukraine eingetreten. Sicher gehört es zum Krieg, zu lügen und Dinge zum Vorteil der eigenen Seite darzustellen. Das ist nicht schön und es trägt sicher nicht zum Erkenntnisgewinn bei, jedoch ist es nun einmal so. Dieses Dilemma gilt für gewöhnlich für alle am Krieg beteiligten Parteien. Daher sind keinesfalls die Erzählungen Russlands und seiner Verbündeten oder gar das Gegenteil der westlichen Erzählung vertrauenswürdiger als die westlichen Erzählungen.

 Ein Umstand, den die meisten Menschen um uns herum nicht zu beachten scheinen. Denn neben der zumindest scheinbaren Mehrheit derer, die nicht zuletzt durch BILD und Co. getrieben blökend in den einen Pferch laufen, der die Russen personalisiert durch Putin die alleinige Schuld an einem angeblich sinnlosen und scheinbar nicht nachvollziehbaren Krieg gibt, rennen nicht wenige, enttäuscht von bisherigen Patzern und Falschmeldungen der hiesigen Medien in den Pferch, der den Westen als das absolut Böse verteufelt und Russland von jeglicher Verantwortung freispricht. Derartige Herangehensweisen an den durchaus sehr komplexen Konflikt sind fatal und verkennen die realen Zusammenhänge.

Wie ein bekannter römischer Dichter einst bemerkte, hält Angst ebenso wenig jemanden vom Krieg ab, wie Dummheit ihn dazu treibt. Sicher kannte Vergil nicht das Prinzip der atomaren Abschreckung, aber das ändert nichts an der grundsätzlichen Gültigkeit dieser Bemerkung. Leider kennen wir weder das Seelenleben der Mitglieder des russischen Generalstabs, noch wissen wir, was sich im Geiste Stoltenbergs und der Seinen regt. Doch werden die NATO und ihre Mitgliedsstaaten ebenso ihre guten Gründe für die Kriege und Expansion haben, wie die Russen, Chinesen und Inder. Die Industrialisierung vieler Staaten, insbesondere Chinas und Indiens mit ihrem gewaltigen demographischen Potenzial und die Erschließung von Rohstoffquellen und Absatzmärkten eben dieser Staaten hat einen gewaltigen Druck auf die alten Industriestaaten des Westens aufgebaut. Andererseits ist die Ostexpansion der NATO entgegen schwammiger Versprechen aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine immense militärische, aber auch wirtschaftliche Bedrohung für Russland.

Die entgegen veralteter, sowohl linker als auch rechter Annahmen aufstrebenden Nationen Afrikas werden in der Welt von Morgen ökonomisch, demographisch und politisch eine bedeutende Rolle spielen und wie es derzeit scheint, haben China und mit einigem Abstand Russland und Indien was die diplomatischen Beziehungen zu den Staaten unseres südlichen Nachbarkontinentes angeht, die Nase vorn. Ein weiterer Grund, um auch im Winter in London, Paris, Washington und Berlin zu schwitzen. Es ist also offensichtlich, dass sich der Spalt zwischen Ost und West auch im frühen 21. Jhd. nicht schließen wird. Dass dort, wo Erdteile aneinandergeraten zwangsläufig Spannungen entstehen, die sich gelegentlich in Beben lösen gilt nicht nur für die Geowissenschaft, sondern auch für die Politik. Die genauen Gründe, die zu dem Krieg geführt haben kennen wir nicht. Allerlei Nachrichten, unabhängig von der Quelle, sind mit Vorsicht zu genießen, denn Lüge und Wahrheit lassen sich am Smartphonebildschirm oft nicht voneinander trennen. Daher wollen wir nicht auf die genauen Umstände eingehen, die für uns ohnehin im Nebel liegen.

Es sei daher nur am Rande erwähnt, dass der Zeitpunkt des Ausbruchs der Kampfhandlungen weder für Russland mitten in seiner Aufrüstung, das trotz einer professionellen Berufsarmee hauptsächlich schlecht ausgebildete Wehrpflichtige ins Feld schickt, noch für die NATO ideal ist, die nicht zuletzt durch das Afghanistan-Debakel und diverse innenpolitische Querelen einiger ihrer wichtigsten Staaten geschwächt dasteht. 2 Trotz unserer Unkenntnis der genauen politischen Umstände des Ukrainekrieges lohnt sich ein Blick auf dessen Auswirkungen. Sollte Russland genug seiner Ziele in der Ukraine oder auch außerhalb, ob nun militärisch, politisch oder wirtschaftlich, in einer angemessenen Zeit erreichen, so wird die Stellung des größten Landes der Erde und der mit ihm befreundeten Staaten, besonders Indien und China, gefestigter und mächtiger sein als zuvor. Ein Sieg Russlands könnte möglicherweise zu mehr oder minder schweren innenpolitischen Verwerfungen in Europa führen. Selbst wenn diese nur wirtschaftlicher Natur sein sollten, einen kleinen Vorgeschmack bieten schon jetzt, wo es noch nicht Winter ist, die Auswirkungen der Sanktionen. Zweifelsohne würde der Griff des riesigen Landes nach Westen ausgreifender und fordernder werden. Sollte Russland aber seine Ziele nicht in angemessener Zeit oder gar nicht erreichen, dann wird es eine Schwächung zum Vorteil der EU, Chinas und der USA erfahren.

Abgesehen davon, dass China wohl so oder so zu den Gewinnern des Konfliktes zählen wird, gibt es für uns, die wir doch unser Leben selbstbestimmt führen und unsere Lebensweise bewahren möchten keinen guten Ausgang aus diesem Krieg. Dies ist der eine Grund aus dem wir neutral sind und uns ein baldiges für alle Seiten gesichtswahrendes Ende wünschen. Der andere Grund besteht darin, dass die Völker Europas aufeinander gehetzt werden, sich auch bereitwillig hetzen lassen und freudig mithetzen. Hier in Europa, unserem Kontinent, nicht fern unserer Heimat verlieren Weiße ihr Leben in einem Krieg, der uns keinen Vorteil bringt. Weiße Männer und Frauen sterben an der Front, Weiße Kinder verbrennen in der Flammenhölle der Bomben und Raketen. Weiße Familien verlieren geliebte Menschen, ihr zu Hause, den Ort ihrer Erinnerungen, ihre Heimat.

Dieser letzte Grund bricht uns das Herz, dieser letzte Grund lässt für uns keinen anderen Schluss zu, als neutral sein zu müssen und jeden Tag den der Krieg weitergeht zu verfluchen.

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